„Ich kann das alles nicht mehr hören. Haben Sie nicht auch etwas ohne Krieg?“ So oder ähnlich werde ich manchmal gefragt, wenn Kunden vor dem Thementisch Krieg und Frieden in meiner Buchhandlung stehen. Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ja, ich habe auch Bücher ohne Krieg, die ich dann gerne empfehle. Ebenso gerne aber rede ich auch – wenn ich auf offene Ohren treffe – über meine Motivation, das Thema Krieg nicht auszublenden, sondern im Gegenteil immer wieder auf den Tisch zu legen. So hat sich schon manches gute Gespräch ergeben.
Meine Friedenssehnsucht gibt sich nicht damit zufrieden, dass ich hier in Frieden lebe, sondern umfasst auch Gaza, die Ukraine, Syrien und all die anderen Orte, an denen gehasst, getötet, zerstört und gehungert wird. Krieg ist kein Naturereignis, sondern ein Verbrechen, das Menschen an ihren Mitmenschen und deren Lebensgrundlagen verüben. Er sollte daher so schnell wie möglich mit friedlichen Mitteln beendet bzw. schon im Vorwege verhindert werden.
Bis vor kurzem hätte ich nicht geglaubt, dass ein deutscher Verteidigungsminister es je wagen würde, von der „Kriegstüchtigkeit“ unseres Landes zu reden und versuchen würde, es darauf einzuschwören, gepaart mit einem milliardenschweren Aufrüstungsprogramm. Das ist sowohl mit Blick auf unsere Geschichte wie auch mit Blick in unsere Verfassung mehr als bedenklich.
Vor diesem Hintergrund empfehle ich Ihnen das oben genannte Tagebuch. Erna Maria Johansen (1911-1986) schildert darin, wie „sie als geächtete Reformpädagogin, NS-Gegnerin und Mutter von vier Kindern den Krieg übersteht. … Den Widrigkeiten wie Angst und Flucht, Hunger und Gewalt, Schikanen und Bedrohungen tritt sie mutig entgegen und gibt ihren Widerstand gegen das Unrechtsregime nie auf.“