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Nur selten habe ich die Gelegenheit, einen Tipp für ein Buch zu verfassen, in dem ein Kollege von mir porträtiert wird. Nein, nicht porträtiert, er soll fotografiert werden. Aber dazu kommt es vorerst nicht. Dabei bin ich nicht einmal sicher, ob es meinen Kollegen aus Gaza wirklich gibt. Auf jeden Fall aber hat der marokkanisch-französische Schriftsteller und Islamwissenschaftler Rachid Benzine ihn für seinen kleinen Roman wunderbar erfunden.

2014: Auf der Suche nach Alltagsmotiven trifft der Fotojournalist Julien in einer kleinen Gasse in Gaza Stadt auf einen etwa 60-jährigen Mann, der vor seinem Laden inmitten von Bücherstapeln sitzt und liest. Julien glaubt, sein Motiv gefunden zu haben. Aber bevor er auf den Auslöser drücken kann, bemerkt ihn der Mann und lädt Julien ein, sich zu ihm zu setzen und seine Lebensgeschichte anzuhören. Erst danach dürfe er ihn auch fotografieren.

Und so beginnt Nabil, sein Leben zu erzählen, das zur Zeit der Nakba* begann und seither von Flucht, Vertreibung und Elend geprägt ist, ein Leben, dem die Heimat genommen wurde, ein Leben, das stets buchstäblich in Schutt und Asche zu versinken droht. Aber Nabil erzählt auch von dem zerbrechlichen Glück, von der Literatur, die ihm Halt und Hoffnung gibt.

„Machen Sie also Ihr Foto vom alten Nabil Al Jaber. Verloren zwischen seinen Büchern und verloren in dieser absurden, wütenden, unmenschlichen Welt.“

* Vertreibung und Flucht der Palästinenser 1947-1949 im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels